| Jörg
Otto Meier ST. PAULI
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"Rocky", 56 Jahre Krankenpfleger, |
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»Meine Meinung ist: Was ich liebe, kann ich auch zeigen. Das ist mein Leben. Solange ich damit keinem weh tu, will ichs auch leben. Und daher der Entschluß zum Totalen.«
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Textauszug: Ich hatte ein normales, behütetes Elternhaus. Mein Vater war Beamter. Ich bin Einzelkind gewesen. Nach der Mittelschule hab ich Kaufmann gelernt. Ich war im Buch- und Zeitungshandel. Dann kam meine Bautzen-Zeit. Da war ich drüben in der Zone wegen Spionage im Bau. Du, und wenn du Bautzen hinter dir hast achteinhalb Jahre, dann siehste nachher, wenn du rauskommst, die Welt mit ganz anderen Augen an. Außerdem, als Kaufmann hab ich sowieso nicht die Erfüllung und den Sinn meines Lebens gesehen. Ich wollte anderen helfen, und von daher kam der Entschluß, Krankenpfleger zu werden. Dreieinhalb Jahre hab ich in Hannover Körperbehinderte betreut. Aber dann bin ich wegen meiner Tätowierungen entlassen worden, weil ich angeblich das Betriebsklima gestört hab. In Hamburg bin ich daraufhin mit Kurt zusammengezogen. Kurt ist so was wie ein väterlicher Freund für mich. Aber Hamburg finde ich eigentlich nicht sehr tolerant. Ich wäre viel lieber in Berlin, aber das geht eben nicht wegen der Nähe zur Zone. Zu Hamburg hab ich mal ne Frage: Es ist Sommer. Es ist mächtig warm. Kann es sich eine bildschöne Frau leisten, oben ohne in Hamburg übern Jungfernstieg zu gehen, nur mit ner Stola oben rum? Aufm Kuhdamm in Berlin kann se det! Und in der Homoszene gilt das gleiche. Das größte Ledertreffen ist in Berlin, nicht in Hamburg. Warum? Man geht hier in Hamburg nur weg, wenns dunkel ist, damit man nicht gesehen wird. Ja, und wenn schon Hamburg, dann zieht mich St. Pauli noch am meisten an, weil da sämtliche Gegensätze vorhanden sind. Da hast du ja allet! ...
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© Jörg Otto Meier, St. Pauli Porträts |
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