Jörg Otto Meier

ST. PAULI
PORTRÄTS

 

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Ralf-Peter Zlomke, "Kornpeter", Gelegenheitsarbeiter
Ralf-Peter Zlomke
"Kornpeter", 42 Jahre

Gelegenheitsarbeiter,
Februar 1985

 

 

 


»Ich war mit 22 Jahren das erste Mal geschieden. Bin auf St. Pauli gelandet, weil ’n Kollege gesagt hat: Peter, fahr da hin! Du bist ’n Frauentyp! Da wirst du Zuhälter. Als Zuhälter war ich aber zu blöde. Ich hab mich lieber selber ernährt, weil ich nicht Danke sagen wollte.«

 

Textauszug: Früher hab ich bei der Arbeit so anderthalb Liter Korn im Durchschnitt gehabt, manchmal zwei bis drei Tage durchgesoffen. Jetzt schaff ich nur noch ’n Liter am Tag und ’n paar Bier, dann hab ich die richtige Bettschwere. Aber soviel muß ich auch haben, weil ich ja Spiegeltrinker bin: Der Alkoholspiegel muß immer stimmen. Und ich sag: Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in großen Mengen nicht. Jedem Körper das, was er abkann.

Nach 15 Jahren St. Pauli bin ich dann im Hafen angefangen. Aber nach 15 Jahren: jeden Tag besoffen, die ganze Fickerei, die Qualmerei ...? Da ist der Körper ’n bißchen abgeschlafft. Und dann die Maloche, jeden Tag was anderes, sechs Monate lang! Na ja, auch überlebt. Ich sag: Wer die Tiefen des Lebens nicht kennt, weiß die Höhen nicht zu schätzen.

Wenn ich meine Eltern besuch — die wohnen ganz solide in Travemünde —, dann komm ich mir vor wie ’n fremder Mensch. Aber wenn ich hier auf St. Pauli aus’m Bett fall, ob ich nun besoffen bin oder nicht, und ich geh in die nächste Kneipe, dann hab ich überall Bekannte. Ob ich links rum geh, rechts rum, rückwärts oder vorwärts, überall sagen sie: Hallo Peter!

Ich bin froh, daß ich überall freundlich Guten Tag sagen kann. Hab in keinem Laden Lokalverbot. Ja, und deswegen fühl ich mich hier auch so zu Hause. Und wenn ich bei einem ein Guthaben hatte, und der hatte grad selber nix, um mir was zu geben, haben mir andere geholfen: Peter, brauchst du Geld? Zwanzig oder fünfzig? Du kannst auch hundert haben! So hab ich mich immer selber durchgeschlagen, brauchte keinem Danke sagen. Das ist so’n klein bißchen Stolz, den ich mir erhalten hab. ...

 

 
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