Jörg Otto Meier

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Pressestimmen zum Jugendbuch
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Hamburger Abendblatt
vom 19./20. Juni 1999

Sehnsucht nach Geborgenheit
Jörg Otto Meier über seine Gespräche mit 29 Jugendlichen

Der Lehrer und Fotograf Jörg Otto Meier befragte Jugendliche zwischen 9 und 20 zu ihrem Lebensgefühl. Die Interviews erschienen als Buch mit Texten und Porträts.

Herr Meier, warum denken Erwachsene so schlecht über „die Jugend"?

Vorurteile gegenüber der Jugend gab es schon im alten Griechenland, und es wird sie wohl immer geben. Wir Erwachsenen neigen eben dazu, unsere negativen Erfahrungen mit Jugendlichen vorschnell zu verallgemeinern, anstatt jedem einzelnen immer wieder ohne Vorbehalte entgegenzutreten. Oft kommt es mir so vor, als wenn viele von uns ihre eigene Jugend schlichtweg vergessen haben. Sicher gibt es Pauschalurteile, an denen etwas dran ist: Die Jugend ist tatsächlich schneller geworden, unhöflicher, auch verdorbener. Doch alles, was wir sehen, ist eine Folge unserer Erziehung. Das Problem liegt bei den Eltern, in der Schule, bei den Verantwortlichen unserer Gesellschaft. Sie sind es, die viel zerstören und sich dann über die Härte ihrer Kinder wundern.

In Ihrem Buch kommen Jugendliche ausführlich zu Wort. Wie ist das Projekt entstanden?

Sehr intuitiv. Von meinen Schülern hatte ich schon oft so viele Dinge gehört, ihre Klagen, ihre Hoffnungen, ihre Lebensvorstellungen, daß ich vor zwei Jahren dachte: ‘Das schreibst du jetzt einfach mal auf‘. Ich habe mich dann mit Schülern und Jugendlichen getroffen. Immer an Orten, die ihnen vertraut waren. Alle waren erstaunlich offen. Ich selbst habe auch viel von mir erzählt. Ich habe da keine Berührungsängste.

Was fanden Sie ganz anders als in Ihrer Jugend?

Ich finde, über all die Jahre hat sich die Grundproblematik kaum geändert. Auch wir kannten früher Angst und Gewalt, auch wir hatten einen Haß auf einige Lehrer, die damals noch Backpfeifen verteilten. Und dann sind wir selber Lehrer geworden, wollten alles anders und besser machen. Wir wollten locker und verständnisvoll sein, wir wollten von allen geliebt werden. Aber wir scheiterten damit. Denn Jugendlichen muß man Grenzen setzen, das fordern sie sogar selber. Im Leben kommt es darauf an — und da sind wir 68er einem großen Irrtum aufgesessen — nicht nur nett, sondern auch streng zu sein, wenn es darum geht, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß einzufordern. Die Laisser-faire-Erziehung hat den Jugendlichen sehr geschadet.

Sind Sie denn vorwiegend streng?

Nachgiebigkeit wird nicht belohnt, schon gar nicht in der Schule. Wenn sich jemand nicht an die abgesprochenen Regeln hält, bekommt er die entsprechenden Konsequenzen zu spüren. Trotzdem bleibt er für mich ein wunderbarer Mensch, und das sage ich ihm auch. Man darf Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nie die Liebe und Aufmerksamkeit entziehen, nur weil sie sich mal schlecht benehmen oder eine Fünf schreiben.

Was können Erwachsene von Jugendlichen lernen?

Jugendliche haben eine ganz eigene Weisheit, und sie sagen tolle Dinge: zum Beispiel, daß Gott ein strahlendes, weißes Licht ist, oder daß das Leben ein langer Weg ist, mit Kurven und mit Hürden. Darauf wären wir in dem Alter gar nicht gekommen. Ich frage mich, ob da nicht eine reifere Generation heranwächst, vielleicht gerade wegen der zunehmend harten Zeiten, in denen es kaum noch intakte Ehen gibt und in denen Kriege, Skandale und Katastrophen an der Tagesordnung sind.

Haben Jugendliche überhaupt noch Werte?

Ich glaube, Jugendliche beurteilen alles nach ihrer persönlichen Werteskala zwischen Gut und Böse, auch wenn sie zum Beispiel links- oder rechtsradikal empfinden. Sie haben einen starken Sinn für Gerechtigkeit, und sie sehnen sich nach Anerkennung, nach Geborgenheit, danach, um ihrer selbst willen geliebt zu werden.

Was haben die Jugendlichen am meisten an den Eltern zu bemängeln?

Daß Eltern oft so betulich sind. Daß sie sagen: ‘Das wirst du schon noch sehen. Du wirst merken, daß ich recht habe.‘ So verbieten sie den Kinder, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Sind Erwachsene neidisch auf die junge Generation?

Manchmal schon. Einer der Interviewten sagte, er habe das Gefühl, die Eltern gönnten ihm seine Jugend nicht. Viele Vorwürfe der Erwachsenen sind reine Projektion: Eltern, die selbst Abend für Abend vor dem Fernsehen sitzen, trinken und Chips essen, kritisieren genau dieses Verhalten an ihren Kindern.

Was hat sie bei den Interviews am meisten überrascht?

Wie offen Jugendliche sind. Und wie gut sie Erwachsene kennen. Sie sind zwar in der schwächeren Position, aber dermaßen gute Psychologen, daß sich Eltern und Lehrer warm anziehen müssen.

Interview: Regina Müller

Nürnberger Zeitung
23.10.1999

Eigentlich sind wir gut drauf"

Die Kunst eines guten Porträtfotografen ist es, den Porträtierten dahin zu bringen, dass er sich unverkrampft zeigt, wie er ist. Jörg Otto Meier beherrscht diese Kunst nicht nur als Fotograf, sondern auch als Interviewer. Er hatte vor Jahren schon ein Buch über den Hamburger Hafen gemacht und über die Menschen, die dort arbeiten, von den Schauerleuten, der Fischverkäuferin einem Lotsen bis zum Hafendirektor. Aus Nürnberger Perspektive schien diese Hafenwelt zunächst etwas abgelegen, aber das Buch war faszinierend.
   Jetzt hat Jörg Otto Meier das gleiche Verfahren einer Thematik zugute kommen lassen, die eigentlich jeden angeht, er hat eine Reihe von Jugendlichen zwischen 9 und 20 Jahren befragt und fotografiert und sie dahin gebracht, dass sie ohne viele Umschweife ihre Lebenssituation erzählen, wie sie zu ihren Eltern und zur Schule stehen (falls sie überhaupt noch eine besuchen), an was sie glauben, was für sexuelle Erfahrungen sie schon hatten, was sie sich von der Zukunft versprechen und was sie befürchten.
   Unerheblich, dass diese jungen Menschen alle in Hamburg wohnen, es sind wohlbehütete höhere Töchter und strebsame Bürgerknaben darunter, aber genauso Kinder aus kaputten Familien und Jugendliche, die schon ganz früh von zu Hause ausgerückt sind. Es kommen Christen, Buddhisten, Mohammedaner genauso wie Atheisten und Pantheisten zu Wort.

Das Buch sollte man Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern, allen die mit Jugendlichen zu tun haben, zur Pflichtlektüre erklären. Das heißt, von Pflicht muss hier gar nicht weiter die Rede sein, weil diese kurzen Lebenserzählungen und Selbsterklärungen sofort eine Sogwirkung ausüben, geradezu fesselnd sind.
   Es wird soviel pauschal über „die" Jugend geschrieben und geklagt. Hier erfährt man Konkretes und lernt auch ausgesprochene Problemkinder als Persönlichkeiten zu respektieren. Der positive Titel „Eigentlich sind wir gut drauf" soll auch anzeigen, dass man im Blick auf die Jugend zuversichtlich sein darf.
   Aus den Begleittexten des Buches geht hervor, dass Jörg Otto Meier im Hauptberuf Lehrer ist. Ich bin überzeugt, er ist ein sehr guter Lehrer.

Dr. Holger Jergius

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© Jörg Otto Meier, Eigentlich sind wir gut drauf