Jörg Otto Meier

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Karen
18 Jahre

 

Sternzeichen:
Wassermann

Geburtsland: Deutschland

Religion:
keine

Wohnsituation:
wohnt allein im Bauwagen

 

 

Geschwister:
eine Schwester, 14 J.

Schule:
Gymnasium, 3. Sem.

Traumberufe:
keine

Vorbilder:
keine

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»Ich seh das nicht ein: Warum sollen sich
Frauen immer die Beine und die Axelhaare
rasieren, die Augenbrauen zupfen,
sich schminken und lange Haare haben?«

Textauszug:

Was mich in die Antifa-Gruppe getrieben hat, kam aber nicht nur daher, daß ich mich über Ungerechtigkeiten aufgeregt hab und was dagegen tun wollte. Es war wohl auch so’n Ablösen und Abgrenzen von meinem Elternhaus. Angefangen hat’s mit Haare tönen. Bei solchen Sachen hat meine Mutter immer nur gesagt, daß das ungesund ist und so, und hat versucht, mir das zu verbieten. Aber ich hab’s dann irgendwann einfach doch gemacht.

Ich seh das heute auch ’n bißchen so, daß es ihnen nicht in den Kram gepaßt hat, weil sie halt ’n anderes Bild von mir hatten. Als ich zum Beispiel das erste Mal mit ’ner Glatze nach Hause kam, hat mein Vater schon ’n großes Problem damit gehabt: Ich, als älteste Tochter, und eigentlich ... ja, so’n ganz braves Mädchen. Und jetzt auf einmal ganz kurze Haare, was ja überhaupt nicht weiblich ist — für ihn jedenfalls. Da hab ich mich nicht akzeptiert gefühlt, weil ich natürlich wollte, daß ich machen kann, was ich will mit meinem Äußeren, und daß sie mich trotzdem lieben. Aber das hab ich teilweise nicht gefühlt. Ich glaube zwar nicht, daß sie das wollten, und auch nicht, daß es für sie so war. Und trotzdem sind das ja Konflikte, wenn es für mich einfach nicht so rübergekommen ist in dem, wie sie sich geäußert haben.

In der Schule reagieren die Leute halt unterschiedlich auf mich. Die einen erklären mich so’n bißchen für verrückt. Und die anderen sagen: Ja, das gibt sich wieder. So je nachdem. Einige finden’s bescheuert, und die anderen finden’s gut. Aber ich komm damit zurecht.

Viele Freunde und Freundinnen außerhalb der Schule sahen so ähnlich aus wie ich. Als ich dann in Gruppen reingegangen bin, hab ich mich natürlich auch in gewisser Weise angepaßt. Aber ich wollte ja nicht nur mein Äußeres gestalten, um einen Gegenpol zu bilden zu irgendwas, was ich nicht mag, sondern auch so langsam meinen Weg, meinen Geschmack finden.

Den Nasenring hab ich mit 16 reinmachen lassen, den Lippenring und den Bauchnabelring irgendwann später. Meine Mutter wollte das überhaupt nicht. Sie fand es schrecklich häßlich. Aber ich hab es trotzdem gemacht. Und damit war’s dann auch gegessen. Von meiner Oma und von anderen Leuten hab ich danach öfters mal gehört: Du bist doch so ein hübsches Mädchen! Was machst du bloß mit dir? — Ja, das entspricht einfach nicht ihrem Verständnis von Ästhetik. Die empfinden das als Verunstaltung. Sie können’s halt überhaupt nicht nachvollziehen, daß ich das schön finde.

Für mich ist das halt so, daß ich bestimmte Dinge, die in der Gesellschaft als weiblich gelten, einfach ablehne. Ich seh das nicht ein: Warum sollen sich Frauen immer die Beine und die Achselhaare rasieren, die Augenbrauen zupfen, sich schminken und lange Haare haben? Das gilt hier doch so als Schönheitsideal. Und weil ich dem nicht entspreche, aber entsprechen könnte, wenn ich wollte, haben die Leute ’n Problem damit und akzeptieren mich nicht. Ich merke, daß das auf ’ne gewisse Art natürlich auch ’n Druck auf mich ausübt. Ich möchte mich aber nicht dadurch als Frau definieren, daß ich ja und amen zu allem sagen, was die Männer wollen, denn wir leben ja im Patriarchat. Und da gibt es halt so verschiedene Klischees, zum Beispiel daß Frauen Kinder kriegen sollen und daß das ihre einzige Erfüllung ist. ...

 

 

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© Jörg Otto Meier, Eigentlich sind wir gut drauf